8.4.2 Wissen über das Unternehmen Google

Finanzierung (N=240)

Wie finanzieren sich weltweit agierende, kostenlose Suchmaschinen aus Sicht der Nutzer? Um das Wissen der Nutzer zu überprüfen, wurden sechs real existierende Finanzierungsformen vorgegeben. Zur Erinnerung sei darauf hingewiesen, dass Google sich zu 98,9 Prozent durch Werbeeinnahmen finanziert (vgl. Kapitel 5.1 ).Nur ein statistisch irrelevanter Bestandteil der Einnahmen entspringt aus der Lizenzierung von qualitativ hochwertigen Suchtechnologien und ‑dienstleistungen. Dass Werbung die Haupterlösquelle von Google ist, war 40 Prozent der Teilnehmer bekannt. Weitere 25 Prozent tippten, dass Websitebetreiber dafür bezahlen, dass sie auf bestimmten (natürlichen) Rankingplätzen in den Suchergebnissen gelistet werden. Diese Finanzierungsmethode wird von Google in Wirklichkeit jedoch strikt abgelehnt. Ein weiteres Viertel gab an, nichts über die Finanzierung von Suchmaschinen zu wissen. Die restlichen zehn Prozent verteilten sich relativ gleichmäßig auf die vier weiteren Antwortvorgaben und nehmen daher keinen bedeutenden Stellenwert für die Untersuchung ein. D.h. gut die Hälfte (N= 121) der Nutzer sind sich nicht darüber im Klaren, wie sich Google finanziert. Damit drängt sich eine Vermutung auf: Die Werbung wird zwar von den meisten Nutzern gesehen und auch wahrgenommen aber viele können sich kaum vorstellen, dass das komplette Google-Angebot tatsächlich durch Werbung finanziert wird.

Im Vergleich zu den Ergebnissen der Bertelsmannstudie aus dem Jahr 2003 kann man aber von einem durchschnittlich besseren Kenntnisstand der Probanden zur Finanzierung von Suchmaschinen sprechen. Damals hielten nur 9 Prozent der Befragten Werbung und Sponsoring für die wichtigste Einnahmequelle der Suchmaschinen (vgl. Kapitel 7.1 ).

 

Ausgaben für Forschung und Entwicklung (N=240)

Der Ausgabenposten für Forschung und Entwicklung im Suchmaschinenbusiness ist enorm. Insbesondere die Ausgaben für die Neuproduktentwicklungen haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Lag das Budget für Produktentwicklungen im Jahr des Börsengangs von Google 2005 noch bei rund 600 Mio. US-$, wurde es für das Jahr 2007 mit knapp 2,1 Mrd. US-$. angegeben. Dies entspricht 13 Prozent des Gesamtumsatzes. [230] Bei Google liegt der durchschnittliche Anteil der Weiterentwicklung der Suchtechnologie an den Gesamtinvestitionen bei rund 70 Prozent. Die übrigen 30 Prozent werden in neue Produkte und in Grundlagentechnologien investiert. Diese enormen Ausgaben sichern die Qualität und Innovationskraft der Suchmaschine Google und erschweren gleichzeitig potentiellen Wettbewerbern den Einstieg ins Suchmaschinengeschäft.

Ist diese Tatsache auch den Nutzern bewusst? Sind ihnen die beträchtlichen Ausgaben des Marktführers für Forschung und Entwicklung bekannt? Um dies aufzudecken, wurden ihnen einige Summen als Antwortmöglichkeit für das Jahr 2007 vorgegeben. 45 Prozent der Befragten (N=107) gaben an, nicht zu wissen, wie viel Google für die Produktentwicklung aufwendet. Weitere 49 Prozent entschieden sich für falsche Summenspannen (5-10 Mio. US-$, 30-50 Mio. US-$, 300-500 Mio. US-$). Alles in allem wussten nur 7 Prozent der Teilnehmer, dass Google mehr als 500 Mio. US-$ für Forschung und Entwicklung ausgibt. Obwohl diese Summe dem Otto-Normal-Verbraucher aufgrund der Höhe vermutlich recht abstrakt erscheint und er nicht abschätzten kann, welche Entwicklungen und Veränderungen damit vorangetrieben werden können, bleibt zu resümieren, dass die Befragten bei ihrer Einschätzung eher auf intuitive Vermutungen zurückgreifen, als auf konkretes Wissen.

Unternehmenswert (N=240)

Alle Suchmaschinennutzer (N=240) sollten einschätzen, wie viel das Unternehmen im Vergleich zu anderen Unternehmen wert ist. Einen Überblick über die gegebenen Antworten stellt folgende Graphik dar.

Abbildung 19: Unternehmenswert von Google nach Einschätzung der Nutzer

Am 03.Januar 2008 hatte Google laut Google Finance [231] einen Börsenwert (market cap) von 214 Mrd. US-$ und war damit eines der „wertvollsten“ Unternehmen der Welt. Die Daimler AG war zu diesem Zeitpunkt etwa 95 Mrd. US-$, die Deutsche Bank 64 Mrd. US-$, die Microsoft Corporation 330 Mrd. US-$ und die McDonald’s Corporation 67 Mrd. US-$ teuer. Die Ergebnisse der Befragung zeigen deutlich, dass dem Gros der Nutzer nicht bewusst ist, in welcher Größenordnung der Internetkonzern mittlerweile auf dem Börsenparkett eine Rolle spielt. Bspw. wissen 71 Prozent der Befragten nicht, dass Google mehr wert ist als die Daimler AG. Ca. ein Drittel der Befragten geht fälschlicherweise sogar davon aus, dass Google weniger wert ist als die Daimler AG. 67 Prozent wissen nicht, dass Google ungefähr dreimal soviel wert ist wie die McDonald’s Corporation, 28 Prozent sind jedoch fälschlicherweise davon überzeugt. Nur im Google-Mircrosoft-Vergleich liegt etwas mehr als die Hälfte der Antwortenden richtig. 56 Prozent gehen davon aus, dass die Microsoft Corporation an der Börse mehr wert ist als Google; 44 Prozent wissen dies nicht. Die Antworten legen auch hier die Vermutung nahe, dass bei überdurchschnittlich vielen Suchmaschinennutzern nur wenig konkretes Wissen über den Unternehmenswert von Google vorhanden ist.

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