7.2     Schmidt-Mänz Studie

Die Studie „Untersuchung des Suchverhaltens im Web“ wurde in den Jahren 2004 / 2005 durchgeführt. [208] Sie umfasst eine umfangreiche Literaturrecherche über frühere Studien im Bereich des Suchverhaltens im Web. Mit den Erkenntnissen aus diesen Erhebungen wurden zwei weiterführende empirische Untersuchungen zu diesem Forschungsgebiet entwickelt und durchgeführt.

 

Teilstudie 1 bietet einen fundierten Überblick über das Forschungsgebiet Suchverhalten im Web (bis 2004).

Teilstudie 2 ist eine Onlinebefragung zum Suchverhalten im Netz. Die Fragen orientierten sich an Ergebnissen früherer Studien und wurden durch neue Fragestellungen ergänzt.

Teilstudie 3 stellt eine verdeckte Beobachtung [209] dar. Dabei wurde eine Suchanfragen-Datenbank erstellt indem Suchanfragen von Suchmaschinen erfasst und über eine bestimmte Zeit hinweg beobachtet wurden. Somit konnten Ergebnisse aus der Onlinebefragung und früheren Studien überprüft werden. Teilnehmende Suchmaschinen waren Fireball, Lycos, Metaspinner und MetaGer.

Abbildung 15: Teilstudien der Schmidt-Mänz Studie

 

 

Für den in dieser Arbeit berücksichtigten Untersuchungsinhalt „Suchmaschinenkompetenz“ ist vor allem die nutzer-orientierte Teilstudie 2 von Interesse. Auf Grund von Repräsentativitätsproblemen bei der Durchführung von WWW-Befragungen (vgl. Kapitel 8.3 ) hat die Studie aber nur einen explorativen Charakter. Die Ergebnisse können jedoch als Grundlage und Vergleichswerte für zukünftige Untersuchungen genutzt werden. An der Online-Befragung nahmen etwa 6700 Personen teil, wobei die Grundgesamtheit Personen im Alter zwischen 11 und 85 Jahren beinhaltete. Die Umfrage ging am 30. Juli 2004 online und wurde am 31.Oktober 2004 beendet.

 

Suchparameter: Nach Selbstauskunft der Teilnehmer besteht eine Suchanfrage i.d.R. aus zwei oder drei Begriffen (81 Prozent). Etwas mehr als die Hälfte gab an, dass sie zwei oder drei Suchanfragen pro Suchsitzung stellen. 52 Prozent der Personen untersucht höchstens bis zu fünf Ergebnisseiten in den Trefferlisten.

 

Zufriedenheit mit Suchmaschinen: 93 Prozent der Befragten gaben an, dass sie entweder häufig oder sehr häufig finden, was sie suchen. Aus diesem Ergebnis kann geschlossen werden, dass sie mit ihren Suchmaschinen zufrieden sind.

 

Personalisierung der Suchmaschine: Der größte Teil der Probanden (76 Prozent) hat „seine“ Suchmaschine (bspw.) hinsichtlich Suchfilter, Design der Startseite, Gadgets oder Länge der Ergebnisliste nicht personalisiert. D.h. in den meisten Fällen wird nur mit den jeweiligen Grundeinstellungen der Suchmaschine gearbeitet.

 

Monopolstellung von Google: 39 Prozent der Befragten ist die Monopolstellung von Google bewusst, indem sie angaben, dass mehr als 76 Prozent der insgesamt anfallenden Suchanfragen von gerade dieser Suchmaschine bearbeitet werden.

 

Die in Teilstudie 1 durchgeführte Sekundäranalyse beinhaltet die Zusammenfassung der wichtigsten Studien über das Suchverhalten im Web. Für den in dieser Arbeit behandelten Untersuchungsgegenstand sind dabei insbesondere folgende Analysen von Bedeutung:

Tabelle 4: Forschungsarbeiten zur Suche im Internet [210]

Name

Methode

Jahr

Teilnehmer

Inhalt

Expertenstudie, Hölscher, Strube

Befragung, Experiment

2000

12/24

Ist Erfahrung im Umgang mit dem Internet relevant für die Informationssuche im Web?

Suchmuster, Körber

Befragung, Experiment

2000

20

Suchen erfahrene Suchmaschinennutzer anders als unerfahrene? Gibt es bei diesen Gruppen unterschiedliche Suchmuster?

Enquiro Umfrage

Befragung, Experiment

2003

24

Kategorisierung der Suchmaschinennutzer anhand bestimmter Muster bei der Evaluation der Suchergebnisse

iProspect Studie

Fragebogen

2004

1.649

generelle Aspekte der Internetrecherche und Sozio-Demographie von Suchenden

 

Eine Darstellung dieser Studien soll jedoch nicht vorgenommen werden, da dies den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde. Die ausführlichen Ergebnisse dieser Forschungsansätze sind in der Inauguraldissertation von SCHMIDT-MÄNZ zu sichten. Darüber hinaus gibt es inzwischen weitere Studien, die sich ebenfalls mit dem Untersuchungskomplex „Suchmaschinenkompetenz“ beschäftigen. Ihre wichtigsten Schlussfolgerungen werden nachfolgend kurz angeschnitten.

 

Tabelle 5: Forschungsarbeiten zum Wissensstand über Suchmaschinen

Name

Methode

Jahr

Teilnehmer

Inhalt

Pew Internet & American Life Project Studie,

Fallows [211]

Telefoninterview

2004

2200

Wissensstand über die Funktionsweisen und Methoden der Ergebnislistung,

Nutzung von Suchmaschinen, Zufriedenheit mit Suchmaschinen

Informationsbeurteilungs-fähigkeit von Jugendlichen, Zimmermann, Kappes, Michel [212]

Schülerbefragung/

teilnehmenden Beobachtung/

Leitfadeninterviews

mit Gymnasiallehr-

kräften

2004

438/18/8

Über welche Fähigkeiten

verfügen Jugendliche, um im Internet gefundene Informationen sinnvoll

bewerten und gegebenenfalls weiterverwenden oder verwerfen zu können? Erkennen WWW-Nutzer bestimmten Informationen zugrunde liegende Ideologien oder Interessen?

 

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