8.5     Zusammenfassung der Ergebnisse zur Suchmaschinenkompetenz

Bei der Analyse der Umfrageergebnisse ergaben sich ‑hinsichtlich der in Kapitel 1.2 aufgestellten Forschungsfragen‑ interessante Erkenntnisse. Diese werden nun zusammenfassend dargestellt.

Schätzen Nutzer ihr Wissen und ihre Kompetenz, was Suchmaschinen angeht, richtig ein? Die Analyse ergab, dass sich die Antworten derjenigen, die ihr Wissen im Hinblick auf Suchmaschinen als „gut“ bzw. „sehr gut“ einschätzten („subjektive Experten“) durchschnittlich nur unwesentlich von denjenigen, die ihr Wissen selbst als „mittelmäßig“ bzw. „schlecht“ beurteilten („subjektive Nicht-Experten“) unterschieden (vgl. Kapitel 8.4.7.1 ). Es kann also davon ausgegangen werden, dass die befragten Suchmaschinennutzer ihr Wissen und ihre Kompetenzen, was Suchmaschinen angeht, selbst nicht adäquat einschätzen. Ob diese Erkenntnis auch für die Gesamtheit der Suchmaschinenanwender zutrifft, müsste eine repräsentative Umfrage beweisen.

Was wissen Nutzer über die eingesetzte Technologie bei Suchmaschinen?

71 Prozent der Probanden gaben an, keinerlei technische Verfahren zu kennen, wie Websites so optimiert werden, dass sie in den Suchergebnissen von Suchmaschinen möglichst weit oben gelistet werden. Der Prozess der suchmaschinenbezogenen Optimierung von Websites ‑sowie die damit einhergehenden Kriterien nach denen Suchmaschinen ihr Ranking durchführen‑ ist für die überwiegende Mehrheit der Befragten damit nicht nachvollziehbar. 29 Prozent der Teilnehmer gaben sogar offen zu, dass es sie nicht interessiert, wie Suchmaschinenergebnisse zustande kommen.

Darüber hinaus wussten 64 Prozent der Befragten nicht, dass Google nach Eingabe der Suchanfrage seinen Index-Server nach passenden Ergebnissen durchsucht (vgl. Kapitel 8.4.5 ). Beinahe ein Viertel der Teilnehmer ging davon aus, dass Google in Bruchteilen einer Sekunde das gesamte Internet durchforstet. Damit ist auch das Wissen über den Ablauf der Bearbeitung einer Suchanfrage als eher gering einzuschätzen.

Wie stellen Suchmaschinennutzer ihre Suchanfragen?

Außer dem Suchoperator „UND“, den Google automatisch in seine Websuche einbindet, nutzten 45 Prozent der Befragten die Phrasensuche („…“), um Suchanfragen zu stellen. Gut ein Drittel der Probanden gab zudem an, die Operatoren „ODER“ und „NICHT“ zu nutzen (vgl. Kapitel 8.4.4 ).

Was halten Nutzer von Suchmaschinenwerbung?

Gut ein Viertel der Teilnehmer findet Werbung in Suchmaschinen interessant und gut (vgl. Kapitel 8.4.3 ). Nur 7 Prozent gaben an, noch nie Suchmaschinenwerbung gesehen zu haben. Dreiviertel der Probanden schätzten Google-Anzeigen als nicht weniger relevant als die natürlichen Suchergebnisse ein, ganze 80 Prozent haben zu Google-Anzeigen nicht weniger Vertrauen als zu normalen Suchergebnissen und 40 Prozent schätzten die Anzeigen als qualitativ hochwertig ein. Sind die Nutzer auf der Suche nach einem bestimmten Produkt, sind die Anzeigen für 41 Prozent genauso relevant wie die natürlichen Suchergebnisse.

Was wissen und denken Nutzer über Probleme, die sich aus der Verwendung von Suchmaschinen ergeben?

Ein Drittel der Befragten weiß, dass Google bei Eingabe von Suchanfragen Nutzerdaten sammelt (vgl. Kapitel 8.4.5 ), aber nur 14 Prozent der Teilnehmer haben Kenntnis darüber, wie lange Google diese Daten speichert. Ein Sechstel macht sich über diese Art von Datenspeicherung nur wenige Sorgen.

Dreiviertel der Befragten wussten nicht darüber Bescheid, dass Google illegale bzw. jugendgefährdende Inhalte aus den Sucherergebnissen herausfiltert. 83 Prozent wussten nicht, dass der Suchmaschinenmarkt in Deutschland medienrechtlich nicht reguliert wird.

27 Prozent der Befragten glaubten nicht, dass Suchmaschinen einen grundlegenden Einfluss auf den Journalismus bzw. die gesellschaftliche Meinungsbildung haben.

Insoweit zeichnet sich ein differenziertes Bild zwischen der Speicherung von Daten und andererseits den Folgen des Einsatzes von Suchmaschinen ab.

Wie zufrieden sind die Nutzer mit Google?

85 Prozent der befragten Google-Nutzer waren entweder „häufig“ oder „sehr häufig“ mit den Suchergebnissen „ihrer“ Suchmaschine zufrieden. Dennoch wunderten sich 78 Prozent manchmal darüber, warum bestimmte Seiten weiter oben stehen als andere Seiten. 51 Prozent der Probanden gaben sogar an, häufig Suchergebnisse zu erhalten, die zwar etwas mit der Suchanfrage zu tun haben, für sie aber trotzdem irrelevant sind. 10 Prozent räumten ein, noch nie über die Reihenfolge der Suchergebnisse reflektiert zu haben (vgl. Kapitel 8.4.3 ). Eine unreflektierte Zufriedenheit bei der Verwendung von Suchmaschinen ist festzustellen.

Warum ist gerade Google bei den Internetnutzern so beliebt?

40 Prozent der Befragten schätzten die Suchergebnisse von Google besser ein als die von anderen Suchmaschinen. Dies ist aber für lediglich 16 Prozent auch der Hauptgrund, warum sie Google nutzen. Die meisten Befragten -nämlich 57 Prozent‑ verwenden Google jedoch aus Gewohnheit. Weitere 17 Prozent nutzen die Google-Websuche, weil sie nutzerfreundlich und übersichtlich ist (vgl. Kapitel 8.4.3 ).

Was wissen Nutzer über das Unternehmen Google?

Über die Hälfte der befragten Nutzer war sich nicht darüber im Klaren, wie Google sich finanziert. Ein Viertel geht davon aus, dass Websitebetreiber dafür bezahlen, dass sie auf bestimmten Rankingplätzen in den Suchergebnissen gelistet werden.

Auch ist der überwiegenden Mehrheit der befragten Nutzer nicht bekannt, in welcher Größenordnung Google mittlerweile an der Börse eine Rolle spielt. Die Unternehmenswerte der Konzerne Daimler, Deutsche Bank und McDonald wurden von gut einem Drittel der Teilnehmer als größer eingeschätzt, obwohl dies nicht der Wahrheit entspricht (vgl. Kapitel 8.4.2 ).

Nur 7 Prozent der Teilnehmer wussten, dass Google jährlich mehr als 500 Mio. US-$ (2007: 2,1 Mrd. US-$) für Forschung und Entwicklung ausgibt.

Nutzungshäufigkeit von Suchmaschinen

Insgesamt stieg die Nutzungshäufigkeit von Suchmaschinen im Vergleich zu der im Jahre 2002 durchgeführten Bertelsmannstudie steil an. Damals gaben nur 8 Prozent der Befragten an, Suchmaschinen täglich zu nutzen (vgl. Kapitel 7.1 ). Heute sind es über 80 Prozent, die eine Suchmaschine entweder einmal oder mehrmals täglich nutzen (vgl. Kapitel 8.4.4 ).

Ergebnisse über das Wissen verschiedener Gruppen

Bei der Betrachtung der verschiedenen Gruppierungen wurde deutlich, dass zwischen den einzelnen Gruppen teilweise markante Unterschiede existieren.

So bestätigen die Ergebnisse die Vermutung, dass zwischen „Experten“ und „Nicht-Experten“ nachweislich Unterschiede im Wissensstand zu Suchmaschinen bestehen.

Bspw. schätzten die „Experten“ Suchergebnisse von Google durchschnittlich besser ein als „Nicht-Experten“ (vgl. Kapitel 8.4.7.2 ). Eine mögliche Erklärung dafür könnte sein, dass die „Experten“ durch ihr stärker ausgeprägtes Hintergrundwissen die Qualität der Google-Ergebnisse im Vergleich zu anderen Suchmaschinen genauer einschätzen und sich somit direkter festlegen können, während sich die „Nicht-Experten“, was die bessere Ergebnisqualität betrifft weniger sicher sind (34 Prozent „weiß nicht“). Dies legt die Vermutung nahe, dass „Nicht-Experten“ die Websuche von Google weniger oft aus Gründen der rationalen Ergebnisorientierung, sondern vielmehr aufgrund anderer Motive (bspw. Reputation, Mund-zu-Mund-Empfehlung, Usability, Image etc.) nutzen.

Die „Experten“ wissen durchschnittlich häufiger über die realen Haupteinkommensquellen von Google Bescheid, als die „Nicht Experten“. Ihnen ist bewusster, dass Google ein kommerzielles Unternehmen ist, das sich überwiegend durch Werbeeinnahmen refinanziert und somit vergleichsweise stark vom Werbemarkt abhängig ist.

Hochsignifikante Unterschiede gibt es auch bzgl. des Wissensstandes über die Regulierung des Suchmaschinenmarktes. Die „Experten“ wissen durchschnittlich häufiger, dass der Suchmaschinenmarkt in Deutschland (bisher) unreguliert ist. 84 Prozent der „Nicht-Experten“ wissen dies nicht.

Weiterhin wissen die „Experten“ durchschnittlich häufiger darüber Bescheid, dass Google bei Eingabe von Suchanfragen Nutzerdaten sammelt. 69 Prozent der „Nicht-Experten“ sind sich nicht darüber im Klaren, dass „ihre“ Suchmaschine so etwas nicht macht. Hier besteht beträchtlicher Aufklärungsbedarf. Eine größere Sensibilität und bessere Informiertheit gegenüber diesem Thema wäre wünschenswert.

Bei dem Vergleich der Gruppe der „subjektive Experten“ und der Gruppe der „subjektiven Nicht-Experten“ stellte sich heraus, dass sie sich in der absoluten Mehrzahl der gegebenen Antworten nur unwesentlich unterschieden. Insgesamt konnte aufgezeigt werden, dass die „subjektive Experten“ durchschnittlich nicht besser über das Themengebiet Suchmaschinen informiert waren als die „subjektiven Nicht-Experten“. Als Konsequenz kann angenommen werden, dass die „subjektive Experten“ ihr Wissen nicht adäquat einschätzten und somit nicht über eine höhere Suchmaschinenkompetenz als die „subjektiven Nicht-Experten“ verfügen (vgl. Kapitel 8.4.7.1 ).

Bei der Analyse im Hinblick auf Unterschiede der beiden Geschlechter wurde festgestellt, dass Männer etwas häufiger die Websuche von Google nutzen als Frauen (vgl. Kapitel 8.4.7.3 ). Außerdem verwenden sie bei ihren Suchanfragen signifikant häufiger Suchoperatoren und sind eher davon überzeugt, dass Suchmaschinen in Deutschland einen grundlegenden Einfluss auf den Journalismus bzw. die gesellschaftliche Meinungsbildung haben. Insgesamt kann festgehalten werden, dass die Antworten von Frauen und Männern allerdings weit weniger Unterschiede aufweisen, als auf den ersten Blick zu vermuten wäre. Im Hinblick auf die Entwicklungen in unserem Medienzeitalter und dem Aufwachsen und Prägen künftiger Generationen mit diesen Fortschritten dürften sich die Unterschiede zwischen den Geschlechtern zukünftig noch weiter verringern.

Die in Kapitel 8.1 aufgestellte Hypothese 1 konnte bestätigt werden: Im Nutzerwissen über Suchmaschinen bestehen Defizite, die es gilt aufzuarbeiten.