TEIL 2: DESK RESEARCH

2      Suchdienste im Internet

In diesem Kapitel werden zunächst die verschiedenen Typen von Suchdiensten und ihre Funktionsweisen vorgestellt. Anschließend erfolgt ein Überblick über die derzeitige Marktstruktur im Suchmaschinenbereich.

2.1     Klassifikation und Definition der Suchdienste

Im Internet existieren verschiedene Arten von Suchdiensten, die sich durch unterschiedliche Techniken der Datenerfassung, -speicherung und Darstellung der Suchergebnisse voneinander abgrenzen lassen. Die traditionelle Differenzierung  in Suchmaschinen und Verzeichnisse verwässert in den letzten Jahren jedoch zunehmend, da viele Suchdienste heutzutage hybride Modelle anbieten, in dem sie sich beider vorgenannter Mechanismen bedienen. [12] Aus diesem Grund  wird der Begriff "Suchdienste" in der vorliegenden wissenschaftlichen Arbeit in Anlehnung an STUBER wie folgt definiert:

"Suchdienste sind Webangebote, die externe Inhalte maschinell oder redaktionell, kostenpflichtig oder kostenfrei ermitteln und die so gewonnen Daten auf eigenen oder dritten Websites zur Verfügung stellen, wo nach einer beliebigen Abfrage eines Nutzers sortierte Verweise auf die ermittelten Inhalte aufgelistet werden." [13]

2.1.1  Verzeichnisse

Verzeichnisse sind redaktionell geprüfte Webkataloge. Das Ziel von Katalogen ist es, eine qualitative hochwertige Linksammlung bereitzustellen, welche so mit einem automatisierten Prozess nicht zu erreichen wäre. Während es einige kleine Verzeichnisse gibt, welche die Internetadressen in einer alphabetisch geordneten Liste zur Verfügung stellen, ordnen die meisten großen Verzeichnisse die URLs [14] anhand der dort behandelten Themen in entsprechende Kategorien ein. Aufgrund ihres kategorischen Aufbaus sind Verzeichnisse auch unter dem Namen Kataloge oder Directories bekannt. [15] Sie sind vor allem hilfreich, wenn Nutzer ihr Suchziel nicht in Form eines konkreten Begriffs formulieren können.

Die Aufnahme einer Website erfolgt entweder auf Initiative eines Redakteurs oder sie wird aktiv durch den Websitebetreiber angemeldet. Dazu hat er bei dem jeweiligen Verzeichnis ein Anmeldeformular auszufüllen, das die URL und Informationen über den Inhalt der Website enthält. Ebenfalls kann i.d.R. eigenständig ein Titel und eine kurze Beschreibung verfasst werden. Bevor die Website in den Datenbestand aufgenommen wird, prüfen Mitarbeiter der Verzeichnisse, ob die gemachten Angaben mit dem Inhalt der Website übereinstimmen und ob die entsprechenden Auswahlkriterien der Verzeichnisse erfüllt sind. Dieser Vorgang kann einige Wochen in Anspruch nehmen. Erst wenn die redaktionelle Begutachtung positiv ausfällt, wird die Website ins Verzeichnis integriert. [16] Die Reihenfolge der Websites in den Ergebnislisten hängt vom angewandten Gewichtungsverfahren ab.

Der Arbeitsaufwand und damit die Kosten zur Verwaltung eines Verzeichnisses sind aufgrund der Prüfung von Hand sehr hoch. Neben technischen Fixkosten für Webserver und Datenbank müssen die Redakteure für ihre Arbeit entlohnt werden. Deshalb verlangen viele Verzeichnisse mittlerweile eine Grundgebühr für die Aufnahme einer Internetadresse. [17]

Die bedeutsamsten Verzeichnisse in Deutschland sind Yahoo!, Web.de und das nicht-kommerzielle Open Directory Project (ODP) auch bekannt als Directory Mozilla (DMoz). Auch Google bietet ein Verzeichnis an, jedoch stammen dessen Inhalte vom Open Directory Project. [18]

2.1.2  Suchmaschinen

Im Unterschied zu Verzeichnissen sind Suchmaschinen vollautomatisierte Suchdienstleister. Sie setzten spezielle Software ein, so genannte Spider, Robots oder auch Crawler, die aktiv im Internet neue Websites und Daten ausfindig machen. Suchalgorithmen bewerten anhand von Kriterien wie Keyword-Dichte, Link-Popularität, Klickpopularität etc. die Relevanz einer Website in Bezug auf die eingegebene Suchanfrage. Die so gefundenen Daten durchlaufen mehrere Sortierungsvorgänge, bevor sie dann in Verbindung mit entsprechenden Schlüsselwörtern in den Datenbestand, dem so genannten Index der Suchmaschine, eingeordnet werden. So entsteht ein abstrakter Abzug des Webdokuments, der um ein Vielfaches seiner ursprünglichen Größe komprimiert ist. Die Ergebnisse von Suchanfragen werden schließlich aus dem Index generiert. Dadurch ist die Beantwortung einer Suchanfrage innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde möglich.

Ein großer Vorteil der Suchmaschinen gegenüber Verzeichnissen ist die Volltextsuche. Ihre Crawler erfassen alle vorkommenden Wörter innerhalb der Webdokumente. So besteht bspw. die Möglichkeit, ein selten vorkommendes Wort auch auf einer tiefer liegenden Unterseite einer Homepage zu finden und diese in der Ergebnisliste anzugeben. Hingegen werden bei Eingabe eines Suchbegriffs in ein Verzeichnis ausschließlich die abgelegten Daten wie z.B. Titel und Beschreibungstext der erfassten Websites nach dem Vorkommen dieses Begriffs durchsucht. So können theoretisch gesehen die Suchmaschinen zwar wesentlich exaktere und relevantere Ergebnisse als die Verzeichnisse liefern, in der Praxis scheitert dies aber am aktuellen technischen Stand der Suchalgorithmen, die die gefundenen Inhalte (bisher) noch nicht semantisch auswerten können. [19] Allerdings übersteigt die Menge und Aktualität der erfassten Daten von Suchmaschinen die der Verzeichnisse bei Weitem. [20] Gleichwohl entstehen nicht alle Einträge ausschließlich aufgrund der Erfassung durch Crawler.

- Bei einigen Suchmaschinen besteht die Möglichkeit, für eine garantierte Indizierung von Websites zu bezahlen, ohne jedoch direkten Einfluss auf die Position der Ergebnisliste zu haben. Diese Aufnahme in den Datenbestand gegen Bezahlung wird in der Praxis als Paid Inclusion bezeichnet (SULLIVAN o.J.a. [21] ). Es war eines der ersten Modelle zur Finanzierung von Suchmaschinen, welches sich aber nie richtig durchsetzten konnte. Heute sind Yahoo! (wenn auch nicht global) und  Mirago die einzigen größeren Suchmaschinen, die immer noch Paid Inclusion anbieten. [22] Bei diesem Verfahren erfolgt die Bearbeitung der Websiteanmeldung schneller und einmal aufgenommene Seiten werden in kürzeren Abständen wiederholt "gecrawlt". Paid Inclusions werden nicht als gesponserte Links deklariert, sondern in den natürlichen Suchergebnissen angezeigt.

- Bei den meisten Suchmaschinen besteht außerdem die Möglichkeit eines bezahlten Eintrags in Form von Textanzeigen zu schalten. Google, Yahoo! und MSN bieten den Websitebetreibern das Erlösmodell Pay-for-Placement an. Bei diesem Modell können Werbekunden die Höhe der Platzierung ihrer Textanzeigen durch die Höhe ihrer Gebote für bestimmte Suchbegriffe selbst beeinflussen. [23] Diese Anzeigen werden jedoch nicht in den Index der Suchmaschinen integriert und somit auch nicht in den natürlichen Suchergebnissen dargestellt, sondern sie werden separat erfasst, auf abgetrennten Bereichen dargestellt und als "Anzeigen", "Sponsoren Links" oder "Gesponserte Seiten" markiert. Die Einträge werden in den hierfür vorgesehenen Bereichen in Abhängigkeit der jeweils eingegebenen Suchbegriffe angezeigt. Bei der Berechnung der Kosten für diese Werbeform ist nicht die Anzahl der ausgelieferten Einblendungen der Suchergebnisse maßgeblich (Impressions), sondern die Höhe des Gebotes, die Qualität der Anzeige und der verlinkten Website sowie die erfolgten Klicks auf diesen Eintrag. Diese Abrechnungsmethode wird deswegen auch Pay-per-Click-Verfahren genannt und ist leistungsabhängig. Der große Vorteil des Pay-per-Click-Verfahrens für Websitebetreiber besteht darin, dass Paid-Placement-Anzeigen innerhalb kürzester Zeit prominent in den Suchergebnislisten platziert werden. Eine arbeitsintensive Optimierung der Website kann damit umgangen werden. Allerdings entsteht andererseits auch die Abhängigkeit, stets Anzeigen zu schalten, um gefunden zu werden.

Nur wenige Suchdienste verfügen über die Möglichkeit, Paid-Placement-Systeme eigenständig in ihren Suchdienst zu implementieren. Es haben sich deswegen spezialisierte Anbieter solcher Paid Placement-Systeme etabliert. [24] Einerlei ob eigenständig implementiert oder geliefert: Pay-for-Placement hat sich in den letzten Jahren als die Hauptfinanzierungsquelle für Suchmaschinen herausgebildet.

2.1.3  Metasuchmaschinen

Das Wort "Meta" stammt aus dem Griechischen und bedeutet "auf einer höheren Stufe bzw. Ebene befindlich". Metasuchmaschinen haben im Gegensatz zu Suchmaschinen keinen eigenen Datenbestand. Sie leiten die Suchanfragen der Nutzer an andere Suchmaschinen und Webkataloge weiter, aggregieren die erhaltenen Suchergebnisse, eliminieren weitestgehend Duplikate und präsentieren sie in einer eigenständig sortierten Ergebnisliste. Sie stehen somit hierarchisch gesehen über den Suchmaschinen. Der Sinn der Metasuche besteht darin, die derzeit noch unvollständige Erfassung aller Inhalte des Webs bei den unterschiedlichen Suchdiensten zu kompensieren und so ein möglichst vollständiges Abbild der im Netz befindlichen Inhalte wiederzugeben. [25] "Als Einstiegspunkt, um einen Überblick über vorhandene Daten im Internet zu einem bestimmten Thema zu bekommen, sind Metasuchmaschinen gut geeignet." [26] Durch deren Einsatz erspart sich der Nutzer das sequentielle Suchen in mehreren Suchmaschinen. Als Nachteil ist die durchschnittlich etwas längere Bearbeitungsdauer einer Suchanfrage zu nennen. Anfragen an Metasuchmaschinen können nicht schneller beantwortet werden, wie die langsamste der genutzten Suchmaschinen arbeitet. Bekannte Metasuchmaschinen für den deutschsprachigen Raum sind Metacrawler, MetaGer2 und Apollo 7. Sie integrieren bei Ihrer Suche unter anderem auch den Datenbestand von Google.

2.1.4  Spezielle Suchdienste

Durch die Datenflut im Word Wide Web gewinnen spezielle Suchdienste kontinuierlich an Bedeutung. Sie sind auf speziell abgegrenzte Themenbereiche ausgelegt. Bestimmte Ausprägungen dieser Dienste sind nahezu in jedem Suchdienst integriert. So bieten Google, Yahoo! und MSN aber auch kleinere Suchmaschinen ‑mit weniger Nutzern‑ neben der gewöhnlichen Volltextsuche auch eine spezifische Suche nach Bildern, Bloggs, Nachrichten, Newsgroups, Produkten, Videos und auch zunehmend die lokale Suche an.

Der Vorteil der spezialisierten Suchdienste besteht darin, dass der Datenbestand eines abgegrenzten Gebietes leichter aktuell zu halten ist als ein weltweiter Index. Dadurch steigt die Chance auf eine umfassendere Indexierung in diesem Bereich.

Die heute bekannteste Ausprägung der Suchmaschinenspezialisierung sind Suchdienste, die sich auf bestimmte Länder fokussieren. Neben den bekannten, international agierenden Firmen, die in allen größeren Ländern gesonderte Suchdienste betreiben (bspw. Google.de, yahoo.de, msn.de), gibt es auch lokale, nur auf ein Land ausgerichtete Anbieter wie search.ch für die Schweiz oder AustroNaut.at für Österreich.

Eine relativ neue Variante der speziellen Suchdienste stellt die lokale Suche dar. Hier geht es den Nutzern bei Ihren Anfragen darum, ein bestimmtes Angebot an einem lokal begrenzten Ort ausfindig zu machen (bspw.: „Wo gibt es in meiner Stadt einen Zahnarzt?“). Waren es in Deutschland vor allem Branchen- und Adressverzeichnisse wie DasOertliche, GelbeSeiten oder GoYellow, die die lokale Suche schon recht früh ermöglichten, so bieten inzwischen auch alle großen Suchmaschinen lokale Suchen an (Google Maps, Yahoo! Lokale Suche, MSN Live Search Maps). Suchtreffer werden hier nicht nur als Textergebnis angezeigt, sondern zusätzlich mit Hilfe einer Ortsmarkierung innerhalb einer Karte veranschaulicht. [27] Ferner können zum gefundenen Angebot spezielle Detailinformationen abgerufen werden, wie in Abbildung 2 zu sehen ist.

Detailinformationen eines Eintrags bei Google Maps   Informationen von Google Maps

Abbildung 2 : Detailinformationen eines Eintrags bei Google Maps

Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere Suchmaschinen, die sich auf spezielle Themen, wie z.B. Produktpreisvergleiche, Jobvermittlung, Freeware oder MP3s spezialisiert haben. Die Liste spezifischer Suchdienste ist lang und kann um viele Themenbereiche erweitert werden. [28]

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