6      Probleme und Gefahren bei Suchmaschinen und Suchdiensten

Wie angesprochen hat es Google in den letzten Jahren vornehmlich durch Mund-zu-Mund-Propaganda bzw. ohne große Eigenwerbung und aufwendiges Marketing geschafft, „unbemerkt“ zum Marktführer im Bereich Suchdienste zu werden. Dabei hat sich das Image eines sympathischen Dienstleistungsunternehmens, bei dem junge Mitarbeiter für die optimale technische Performance einer kostenfreien Websuche sorgen, herausgebildet. Jedoch bekommt dieses Hochglanzimage ‑vor allem seit der unbändigen Expansion und dem stetig zunehmenden Einfluss des Unternehmens- immer mehr Kratzer. Die unternehmenskritische Haltung eines Teils der Internetgemeinschaft führt dazu, dass die Betreiber unter genauer Beobachtung stehen und Missstände öffentlich deutlich zur Sprache gebracht werden. [112] Dies geschieht in Deutschland zum Beispiel durch den „Google Watch Blog“ (googlewatchblog.de), oder den Heise Zeitschriften Verlag (heise.de bzw. telepolis.de). Auch der „gemeinnützige Verein zur Förderung der Suchmaschinen-Technologie und des freien Wissenszugangs", (suma-ev.de) steht Google skeptisch gegenüber und will gegen die Konzentration auf dem Suchdienstmarkt vorgehen. Als Gegenpol zur Marktmacht der großen Suchmaschinen soll das Entstehen von kleineren open-source Suchmaschinen gefördert werden. Diese Suchmaschinen-Struktur soll so konzipiert sein, dass sie nicht monopolisierbar ist. [113] Technisch könnte eine solche Lösung durch Peer-to-Peer-Software realisiert werden. Hierzu gibt es mittlerweile auch einen funktionierenden Ansatz: das YaCy-Projekt von Michael Christen (yacy.net). Weitere innovative Projekte sind Mahalo (mahalo.com) und Wikia Search (alpha.search.wikia.com). Die von Google gewohnten Antwortzeiten unter einer Sekunde können mit solchen Suchsystemen (bisher) allerdings nicht erreicht werden. [114]

Vor dem Hintergrund der großen gesellschaftlichen Bedeutung und dem Einfluss von Suchmaschinen beschäftigt sich zunehmend auch die wissenschaftliche Forschung mit Google. In der von der Technischen Universität Graz im September 2007 veröffentlichten Studie „Report on dangers and opportunities posed by large search engines“ rät das Forschungsteam unter der Leitung von Prof. Dr. Dr. Maurer sogar die Zerschlagung des Google Konzerns an. [115]

Des Weiteren hat der deutsch-französische Ministerrat im April 2005 die Förderung der Entwicklung einer eigenen (öffentlich-rechtlichen) europäischen Suchmaschine mit dem Namen Quaero beschlossen. Aufgrund von Unstimmigkeiten in der Grundausrichtung zog sich die Bundesregierung 2006 jedoch aus dem Quaero-Konsortium zurück. Seither verfolgen beide Länder eigene Projekte. Während Frankreich mit Quaero an der Entwicklung einer Konkurrenzmaschine zu Google festhält, fördert Deutschland mit dem Forschungsprogramm Theseus die Grundlangenforschung zur semantischen Suche. [116] Nachfolgend werden nun wichtige Problemfelder für den Suchmaschinenmarkt herausgearbeitet und ihre Folgen näher erläutert.

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