6.2.2  Persönliche Daten und Systemsicherheit im Internet

Für moderne Menschen ist es heutzutage so gut wie unmöglich, keine digitalen Spuren im Internet zu hinterlassen. Praktisch jede Person besitzt neben seiner wahren Identität zugleich ein mehr oder weniger ausgeprägtes Internet-Profil. Suchmaschinen sind mittlerweile so leistungsfähig, dass sie Suchanfragesteller mit ungewollten Einblicken ins Privatleben anderer versorgen können. Jede Äußerung bspw. in einem Blog oder in einem Forum wird bis in nicht absehbare Zukunft bei Suchmaschinen abrufbar sein. Angebote wie spock.com, wink.com, yasni.de ProfileLinker, Upscoop, Streakr bieten heute schon spezielle Personensuchen an. Viele ‑vor allem‑ junge Leute präsentieren sich im Internet, ohne über die möglichen Folgen Bescheid zu wissen. Ihnen werden die Konsequenzen leichtsinnig veröffentlichter (privater) Informationen oftmals erst Jahre später bewusst. Die Folgen können dabei von unabsehbaren Schwierigkeiten bei einer Arbeitsplatzbewerbung bis hin zu Problemen beim privaten oder beruflichen Ansehen reichen. Gleichzeitig steigt die Gefahr krimineller Manipulierungsversuche persönlicher Internet-Profile, was bis zum Verlust der Kontrolle über die eigene digitale Identität im Internet führen kann. Davon betroffen sind insbesondere Menschen des öffentlichen Lebens wie bspw. Lehrer oder Politiker. Einstweilen gibt es sogar Firmen wie die myON-ID MEDIA GmbH, die sich um das „Reputationsmanagement" im Internet und die Wiederherstellung des "digitalen Rufs" kümmern. Unliebsame Internet-Altlasten sollen so in den Treffern einer Suchanfrage auf hintere Plätze verbannt und durch neue, vorteilhaftere Einträge verdrängt werden. [143]

Gleichzeitig haben einige („kriminelle“) Nutzer darin eine neue Herausforderung gefunden, die detaillierten Suchergebnisse der Suchmaschinen für sich nutzbar zu machen. Sie stellen Suchanfragen so, dass sich damit Kreditkartennummern, Passwörter, Webserver sowie fernsteuerbare Netzwerkdrucker, Webcams und ungeschützte Bestellsysteme auffinden lassen. [144]

Trotz der angesprochenen gesellschaftlichen Probleme, die durch die Nutzung von Suchmaschinen zu Tage gefördert werden, sollte noch einmal ausdrücklich darauf hingewiesen werden, dass sie für die Schwachstellen in der Systemsicherheit bzw. für die Publikation von persönlichen Inhalten im Web nicht verantwortlich gemacht werden können. Die Internetkonzerne stellen mit ihren allumfassenden Datenbanken lediglich das Tatwerkzeug für weit reichende Suchhandlungen bereit. SULLIVAN ‑einer der renommiertesten Suchmaschinenexperten‑ veranschaulicht diesen Zustand mit folgendem Satz: „Search engines make it easier for everyone to gain information, hackers included.“ [145] Dies stimmt besonders bedenklich, da bspw. MAURER et al. davon ausgehen, dass Google weltweit führend in der Sammlung von Daten ist und damit mehr über Individuen und Unternehmen weiß, als jede andere existierende Organisation. [146] „Fest steht, dass Suchmaschinen den Umgang und die Beschaffung von Informationen verändert haben und somit auch die Wahrnehmung der Welt. Und immer häufiger nimmt die Welt uns die Welt ebenfalls anders wahr.“ [147]

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