8.2     Fragebogenaufbau zur wissenschaftlichen Untersuchung

Die Kontaktaufnahme zu den potentiellen Teilnehmern erfolgte per E-mail. Dabei wurde ein Hyperlink zur Landing Page der Befragung übermittelt. Auf der Landing Page wurde in kurzer Form erläutert, worum es bei der Befragung geht und wie lange die Beantwortung der Fragen voraussichtlich dauert. Um aus methodischer Sicht die Teilnehmer nicht unnötig zu irritieren, wurde hier auf langwierige Ausführungen und Erklärungen bewusst verzichtet (vgl. Anhang 7).

Als  „Aufwärmphase“ wurden zu Beginn der Befragung  vergleichsweise leicht zu beantwortende Fragen gestellt. Nachfolgend wurde die Komplexität der Fragen sukzessive erhöht.

Erst gegen Ende, als für die Teilnehmer Inhalt, Sinn und Zweck der Untersuchung ersichtlich waren, wurden Fragen zu den soziodemographischen Merkmalen gestellt. Als (im Zweitkontakt angekündigtes) Incentive wurde den Teilnehmern zum Schluss die Möglichkeit gegeben, alle seither erhobenen Untersuchungsergebnisse einzusehen.

Um Ermüdungserscheinungen zu unterbinden bzw. die Datenqualität möglichst hoch zu halten sowie eine unnötig hohe Abbruchquote beim Ausfüllen des Fragebogens zu vermeiden, wurde die Bearbeitungsdauer ‑mit Hilfe von Pretests­- möglichst kurz gehalten. Für die Untersuchung wurde schließlich eine durchschnittliche Bearbeitungszeit von 11 Minuten ermittelt.

SCHNELL, HILL und ESSER weisen darauf hin, dass eine subjektiv erlebte Befragungsdauer durch eine entsprechende Fragebogengestaltung verkürzt werden: So ist es ratsamer, einen Fragebogen vom Format her großzügig anzulegen, als zu versuchen, möglichst viel Fragen auf eine Seite zu setzten. Die Abarbeitung vieler Seiten und die Sichtbarkeit der bereits erfolgten Bearbeitung kann für den Befragten kooperationsfördernd sein. [217] Beide Gesichtspunkte fanden auch bei der vorliegenden Untersuchung Berücksichtigung: Pro Frage wurde jeweils eine HTML-Seite erstellt („One-Question-one-Screen“) und der bisher abgearbeitete Anteil wurde graphisch durch einen Fortschrittsbalken sowie zusätzlich mit der Angabe in Prozent verdeutlicht.

Im Folgenden sollen nun die jeweiligen Themenbereiche des Fragebogens vorgestellt werden sowie die mit ihnen verbundene Intention -in Bezug auf das Untersuchungsgegenstand‑ erläutert werden. Vor dem eigentlichen Start der Untersuchung wurden die Teilnehmer gefragt, welchen Suchdienst sie am häufigsten verwenden. Nur wer Google als meistgenutzte Suchmaschine angab, wurde zum eigentlichen Fragebogen weitergeleitet und befragt (97 Prozent). Für diejenigen, die einen anderen Suchdienst angaben, endete die Untersuchung nach dieser Filterfrage (3 Prozent). Dementsprechend beschränkte sich die Untersuchung ‑aus Gründen der Übersichtlichkeit und Einfachheit‑ nur auf Google-Nutzer. Folgende Themenblöcke wurden berücksichtigt:

1. Wissenstand über Suchmaschinen und deren Funktionsweisen

Das Wissen über Suchmaschinen, inklusive deren Arbeitsprinzipien, Verfahrensweisen und Technologie ist entscheidet dafür, ob der Nutzer Suchmaschinen richtig bedient, ob er versteht, wie sie funktionieren und ob er den offerierten Ergebnissen vertraut oder sie kritisch hinterfragt. Demgemäß wurde in diesem Frageblock die Suchmaschinenkompetenz von zwei Seiten her beleuchtet. Zum einen wurden die Untersuchungsteilnehmer aufgefordert, ihren Wissensstand aus ihrer Sicht (subjektiv) einzuschätzen. Zum anderen wurde das Wissen über die Funktionsweisen und eingesetzten Technologien abgefragt, indem spezielle Aussagen (bzw. Antworten) über Suchmaschinen getroffen (bzw. ausgewählt) werden mussten. Weitere wichtige Elemente dieses Themenblocks waren Fragen nach der Nutzungshäufigkeit der Websuche von Google, die Nutzung von booleschen Operatoren bei der Gestaltung von Suchanfragen und die persönliche Zufriedenheit mit den recherchierten Ergebnissen.

2. Wissenstand über Probleme, die von Suchmaschinen ausgehen:

Innerhalb dieses Themenkomplexes wurde untersucht, in wie weit sich Suchmaschinennutzer der Probleme und Schwierigkeiten bewusst sind, die von Suchdiensten verursacht werden. Dazu wurden bestimmte Problembereiche herausgegriffen, zu denen das Wissen der Probanden abgefragt wurde. Erhoben wurde bspw. der Kenntnisstand über Zensurmaßnahmen innerhalb der Ergebnislisten, die Datenspeicherung bei Suchanfrageneingabe, sowie die Einschätzung, ob Suchmaschinen grundlegenden Einfluss auf den Journalismus bzw. die gesellschaftliche Meinungsbildung haben. Zusätzlich sollten die Teilnehmer den prozentualen Umfang der von Google bearbeiteten Suchanfragen (bezogen auf alle Suchanfragen an Suchmaschinen, die in Deutschland gestellt werden) angeben, um festzustellen zu können, ob ihnen die Monopolstellung von Google auf dem Suchmaschinenmarkt bewusst ist.

3. Einschätzung von Suchmaschinenwerbung:

An dieser Stelle wurde die Einstellung der Probanden bezüglich Werbung in Suchmaschinen erhoben, ebenso die Beurteilung ihrer Qualität und Relevanz. Zusätzlich sollte das Ausmaß an Werbung auf der Google-Site (Websuche) subjektiv eingeschätzt werden. Um Rückschlüsse auf das Wissen der Probanden auch bezüglich der bei der Websuche eingeblendeten Google-Ad-Words-Anzeigen ziehen zu können, wurden wahre und falsche Antworten vorgegeben, aus denen die Teilnehmer ihre Aussagen auswählen mussten.

4. Zufriedenheit mit der Websuche von Google:

In diesem Kontext sollten die Probanden zunächst angeben, warum sie Google nutzen und wie sie Google qualitativ im Vergleich zu anderen Suchmaschinen einschätzen. Im Weiteren wurde gefragt, wie häufig und in welchem Ausmaß sie mit den Suchergebnissen zufrieden sind.

5. Wissenstand über das Unternehmen Google:

Die Sachkenntnis über den Internetkonzern wurde erhoben, in dem die Beteiligten über den Börsenwert, die jährlichen Aufwendungen für Forschung und Entwicklung sowie die Refinanzierung von Google befragt wurden.

6. Allgemeine Fragen: Innerhalb dieser Fragenrubrik wurden demographische Merkmale wie Alter, Arbeitsverhältnis, Schulabschluss und Geschlecht der Umfrageteilnehmer erhoben.

Der Fragebogen umfasste eine Vielzahl unterschiedlicher Aspekte, die es gestatten, die Suchmaschinenkompetenz der Umfrageteilnehmer näher zu beschreiben. Darüber hinaus ist es möglich die Probanden unterschiedlichen Gruppen zuzuordnen, um so Unterschiede (in Bezug auf bestimmte Kriterien) zwischen Gruppen identifizieren zu können (vgl. Kapitel 8.4.7).