9.2     Handlungsempfehlungen für Suchmaschinennutzer und Internetnutzer

Diese Arbeit kann den Suchmaschinennutzern helfen, zu einer neuen Sichtweise über ihr Wissen und ihre Fähigkeiten in Bezug auf Suchmaschinen zu gelangen. Durch Selbstreflektion im Sinne der Kognitionspsychologie sollen sie dazu animiert werden, über die eigenen Fähigkeiten und das eigene Wissen nachzudenken, um so einen „autonomen“ Lernprozess anzustoßen. Ein (Teil-) Ziel dieser Arbeit ist es, Suchmaschinennutzer dazu anzuhalten, ihre Suchmaschinennutzung zu überdenken, gegebenenfalls eine kritischere Sicht über die eigene Suchmaschinenkompetenz anzunehmen und somit bewusster bzw. effizienter mit Suchmaschinen umzugehen. Zur Unterstützung dieses Anliegens seien mehrere Online-Informationsdienste wie bspw. die Suchfibel (suchfibel.de),  Search Engine Watch (searchenginewatch.com) oder @-web (at-web.de) genannt, die einen Überblick über den Suchmaschinenmarkt geben und zum Verständnis der Funktionsweise von Suchmaschinen beitragen. Überdies hinaus existiert mittlerweile diverse Literatur, die sich speziell mit dem Thema „Recherche im Internet“ beschäftigt (vgl. Anhang 4).

Welche konkreten Empfehlungen können den Suchmaschinennutzern zur Recherche mit Suchmaschinen an die Hand gegeben werden?

1. Die erste Empfehlung scheint zunächst trivial: Um eine effiziente Suchanfrage durchführen zu können, braucht man geeignete Schlüsselwörter. Oftmals besteht die Problematik jedoch darin, dass der Suchende die benötigten Fachtermini zu einem bestimmten Themengebiet nicht kennt. In einem solchen Fall muss sich der Suchende zuerst in den entsprechenden Fachjargon einarbeiten. Hierzu gibt es unterschiedliche Vorgehensweisen.

Hilfreich dabei kann das Aufstellen einer „Mindmap“ sein. Dies ist eine grafische Darstellung, die Relationen zwischen verschiedenen Begriffen aufzeigt. Was ist das zentrale Suchwort bzw. welche Schlüsselwörter stehen mit diesem Thema in Verbindung? Mit Hilfe der Mindmapmethode ist eine erste Eingrenzung wichtiger Suchwörter möglich.

Eine weitere Möglichkeit, Schlüsselwörter zu einem abgegrenzten Themenbegriff zu generieren, stellen Web-Assoziatoren wie der MetaGer Assoziator (metager.de/asso.html) des Regionalen Rechenzentrums für Niedersachsen dar. Er erzeugt nach Eingabe eines Wortes sachverwandte oder synonyme Begriffe. Dabei gewinnt der Assoziator seine Ergebnisse aus Websites, die den Suchbegriff beinhalten und liefert semantisch zusammenhängende Wörter zum eingegebenen Begriff auf heuristischer Basis. [258]

2. Sind passenden Suchbegriffe zu einem Themengebiet bekannt, führt die entsprechende (einfache) Suche jedoch nicht zum gewünschten Ziel, ist zur Spezifizierung der Suchanfrage die Verwendung von Operatoren ratsam. Zur Einarbeitung in den Bereich der komplexen Suche stellt die Google-Hilfe eine Übersicht mit dem Namen „Cheat Sheet“ bereit. [259] Ergänzend ist durch Kombination spezieller, alternativer Abfragesyntax (vgl. Anhang 3) eine weitere Fokussierung der Recherche auf ein abgegrenztes Anliegen möglich.

3. Neben der Kenntnis der Funktionsweise von Suchmaschinen und der richtigen Suchstrategie ist die Beurteilung der gefundenen Informationen eine wichtige Komponente der Suchmaschinenkompetenz (vgl. Kapitel 1.1 ), denn die Fähigkeit zur „objektiven“ Einschätzung und Bewertung der Suchergebnisse ist Garant dafür, dass Wichtiges von Unwichtigem getrennt wird. Die Gewichtung der Inhalte, die Verknüpfung von Informationen und die Übersetzung bzw. das Verstehen bleibt jedoch immer eine intellektuelle Leistung. „Ohne die Fähigkeit zur Abstraktion wird niemand die Möglichkeiten des Internet ausschöpfen können.“ [260] Hierzu gibt es einige zu berücksichtigende Aspekte, die bei der Beurteilung von Inhalten aus dem Internet herangezogen werden sollten.

 

Tabelle 18: Kriterien zur Beurteilung von Informationen aus dem Internet [261]

URL: Wo ist das Dokument abgelegt? Kann aus der URL auf die Glaubwürdigkeit des Dokuments geschlossen werden? Handelt es sich um eine staatliche Organisation (z.B. Hochschule) oder um einen kommerziellen Anbieter?

Autor und Datum: Ist der Autor und das Erstellungsdatum (nicht nur das Änderungsdatum) des Dokuments angegeben? Sind die Inhalte aktuell oder veraltet? Ist eine Kontaktadresse des Autors oder der Institution angegeben? Hinweise finden sich meist im Impressum.

Stil, Aufmachung und Inhalt: Vermittelt die Aufmachung des Dokuments und der Website Seriosität oder wird versucht, die Nutzerschaft bspw. mit sprachlichen Mitteln zu beeinflussen? Konzentriert sich die Website auf den präsentierten Inhalt oder nimmt Werbung einen wichtigen Teil der Seite ein? Sind die angebotenen Informationen sachlich richtig oder falsch? Wie vollständig sind die Informationen? Fehlen evtl. zentrale Gesichtspunkte zu einem Thema?

Motiv der Veröffentlichung: Für wen wurde die Seite geschrieben? Gibt es Hinweise, für welches Zielpublikum die Seite geschrieben wurde? Kann eine kommerzielle, politisch oder ideologisch motivierte Absicht aus der Website herausgelesen werden?

Literaturhinweise und Referenzen: Sind die Aussagen durch Quellen belegt? Werden Hinweise auf weitere Informationen zum Thema (gedruckt oder elektronisch) angeboten? Führen externe Links auf weitere, ergiebige Informationsquellen oder auf eher zweifelhafte Angebote? Sind die Links kommentiert und wird deutlich, warum ein Link gerade auf diese Webseiten gelegt wurde?

Kommentare von anderen Nutzern: Auf vielen Webseiten können Nutzer Kommentare hinterlassen. Zum Teil finden sich hier Hinweise auf Fehler oder Unstimmigkeiten, andererseits aber auch Zustimmung oder Anerkennung.

Verifizierung: Lassen sich die angebotenen Informationen mit anderen Dokumenten aus dem Web oder in gedruckter Form (Zeitung, Buch, Bericht) belegen?

 

Bevor gefundene Inhalte und Informationen aus dem Internet weiterverarbeitet werden, sollten sie mit Hilfe der vorgestellten Kriterien beurteilt werden, um sie inhaltlich bzw. qualitativ adäquat zu gewichten.

 

Darüber hinaus haben die Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen und das von der Europäischen Union geförderte Projekt Klicksafe (klicksafe.de) im Jahre 2005 einen Katalog der "12 goldenen Suchmaschinenregeln" veröffentlicht. [262] Darin formuliert MACHILL zentrale Empfehlungen, die Suchmaschinennutzer bei ihrer Recherche im Internet berücksichtigen sollten, um sicherer und effektiver zu suchen.

 

Um die Suchmaschinenkompetenz bei Kindern zu fördern, haben einige Anbieter Online-Tutorials entwickelt, in denen Kinder die Hintergründe und Zusammenhänge über Suchmaschinen erfahren und so ihre Suchfähigkeiten verbessern können. Renomierte Websites in diesem Bereich sind bspw. Internet-ABC (internet-abc.de),

und  KidsVille (kidsville.de) oder Rudi Ratz (rudiratz.de). Darüber hinaus gibt es spezielle Kindersuchdienstangebote wie bspw. Die Blinde Kuh (blinde-kuh.de), Helles Köpfchen Kidstation (kidstation.de), Seitenstark (seitenstark.de), Kindernetz (kindernetz.de/suche) oder Frag Finn (frag-finn.de), die kindgerechte Informationen über vielerlei Themengebiete anbieten. Außerdem stellen die großen, etablierten Suchmaschinen eigene Kindersuchdienste bereit: GoGooligans (gogooligans.com), Yahoo!KIDS (kids.yahoo.com), Ask for Kids (askkids.com).

 

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