TEIL 1: EINFÜHRUNG

1      Einleitung

Suchmaschinen gehören mittlerweile zum Standardrepertoire der Internetnutzer. Sie stellen die mit Abstand wichtigsten Quellen zum Auffinden von Informationen im Internet dar und nehmen damit eine Schlüsselfunktion in unserer Medien- und Informationslandschaft  ein. [1] Indem Suchmaschinen über die inhaltliche Zusammensetzung ihrer Suchergebnisse  entscheiden, beherrschen sie in hohem Maße auch den Zugang zur Online-Wirtschaft. Nur wer sich im oberen Bereich der Sucherergebnislisten und gegen seine Mitbewerber behauptet, hat im Online-Business eine reelle Chance auf entsprechende Erträge. Somit hängt heutzutage ein beträchtlicher Teil der (Online-)Umsatzerlöse vom Handeln der Suchmaschinenanbieter ab. Ändern sie ihre Algorithmen, so ändert sich damit die Zusammensetzung der Suchergebnislisten, was wiederum unmittelbare Auswirkungen auf den (Online-)Markt hat. Als Lenker der Aufmerksamkeit der Internetnutzer übernehmen sie eine sog. Gate-Keeper-Funktion. Sie bestimmen, was geklickt wird und was nicht. Forciert wird dies durch die derzeitige Aufteilung des Suchmaschinenmarktes. Google besitzt mit über 90 Prozent Marktanteil ein Quasimonopol. Dadurch hat das Unternehmen eine beispiellose Machtposition inne, denn anders als bei den klassischen Medien existiert auf dem Suchmaschinenmarkt in Deutschland bisher keine staatlich-regulative Kontrolle. Indem Google die Bewertungskriterien zur Einstufung von Websites nach eigenen Regeln festlegt, oktroyiert es ‑wie andere Suchmaschinen auch‑ sein Ranking- bzw. Wertesystem auf seine Nutzerschar. Der Unterschied zu den übrigen Suchmaschinen besteht jedoch darin, dass Google damit stetig fast 30 Prozent der gesamten Bevölkerung in Deutschland erreicht. [2] Diese enorme Reichweite wird von Medienwissenschaftlern als problematisch angesehen und zunehmend kritisch diskutiert.

Empirische Untersuchungen kamen zum Ergebnis, dass sich über 80% der Internetnutzer vor allem mit Hilfe von Suchmaschinen orientieren. [3] So ist es nicht verwunderlich, dass die Websuche mit Hilfe von Suchmaschinen nach dem Schreiben von E-mails der meistgenutzte Dienst im Netz ist. [4] Trotz dieser Tatsache bestehen bei vielen Nutzern in Bezug auf Suchmaschinen Wissenslücken. So ist bspw. das Zustandekommen der Ausgabenlisten im Allgemeinen für viele Nutzer nicht nachvollziehbar. Wie die Ergebniseinträge entstehen, welche Algorithmen bzw. Bewertungskriterien verwendet werden, wie qualitativ hochwertig und glaubwürdig sie einzuschätzen sind oder ob es Werbeeinträge innerhalb der natürlichen Suchergebnisse gibt usw., ist häufig unbekannt. Infolgedessen ist es nicht verwunderlich, dass Suchmaschinen von den Nutzern immer wieder als wertvolle, moralisch unfehlbare, kostenlose Dienstleistungen angesehen werden, während gleichzeitig ihre eigentlichen Gewinnbestrebungen von vielen Otto-Normal-Verbrauchern unbeachtet bleiben. [5]

Hinzu kommt, dass Suchmaschinen ‑trotz der ständig durchgeführten technischen und gestalterischen Optimierungen- immer noch alles andere als selbsterklärend sind. Hilfeseiten für eine effektivere Verwendung sind zum Teil derart versteckt eingebunden, dass die Suchmaschine selbst eingesetzt werden muss, um sie zu finden. Auch wenn die Nutzung von Suchmaschinen auf den ersten Blick trivial erscheint, so gibt es doch einiges zu beachten und diverse Tricks bei der Eingabe der Anfrage, um effizient und erfolgreich suchen zu können. Der beträchtliche Zeitaufwand, um sich ausreichend in dieses Themenfeld  einzuarbeiten, wird offensichtlich von vielen Suchmaschinenbenutzern jedoch als nicht lohnend angesehen.

Im Gegensatz zur enormen gesellschaftlichen Bedeutung der Suchmaschinen weist die wissenschaftliche Forschung bezüglich der Suchmaschinenkompetenz von Internetnutzern erhebliche Lücken auf, die es in den nächsten Jahren gilt aufzuarbeiten. Diese Arbeit will inhaltlich als auch systematisch dazu betragen, Defizite zumindest teilweise zu schließen. Die durchgeführte, explorative Studie soll ferner den Weg für neue Forschungsansätze aufzeigen.